Welchen Traumberuf hatten Sie als Kind?
Daran kann ich mich noch sehr gut erinnern. Ich wollte unbedingt Architekt werden. Mein Schicksal war aber schon bestimmt. Ich sollte ja später den Elternbetrieb übernehmen und Gastwirt werden. Ich konnte allerdings während der vielen Umbauarbeiten am Hotel in den letz- ten Jahren immer wieder meinen Traumberuf „Architekt“ ausüben.
Wie haben Sie und Ihre Schwester das Hotelgeschehen als Kinder erlebt?
Als wir noch klein waren, haben meine Schwester und ich nicht viel vom Hotelgeschehen mitbekommen, denn unsere Kindheit war im Gegensatz zu heute völlig anders. Wir haben uns kaum im Hotel aufgehalten… es gab ja noch kein Nintendo und keine Play-Station oder wie diese Dinger alle heißen… wir haben jede freie Minute genutzt um mit Freunden im Freien zu spielen.
Haben Sie und Ihre Schwester viel mithelfen müssen?
Es waren für unsere Eltern schwierige Zeiten. Beide muss- ten hart arbeiten um die hohen Schulden abzuzahlen. Um zu sparen wurden nur die „notwendigsten“ Mitarbeiter eingestellt. Aus diesem Grund mussten meine Schwester und ich schon mit 13/14 Jahren, speziell während der Sommermonate, wo ja schulfrei war, kräftig mithelfen.
Ich kann mich daran noch sehr gut erinnern… ich musste in der Küche helfen und Ingrid musste unsere Mutter im Büro unterstützen.
Während der Feiertage waren Ihre Eltern sicher oft im Arbeitsstress. Konnten Familienfeste, wie Weihnachten oder Ostern, trotzdem mit der Familie gefeiert werden? Ja das stimmt… Für meine Schwester und mich waren das
immer schwierige Tage an die ich mich nicht allzu gerne erinnere. Wir hatten ja während der Feiertage keine Schule und hätten gerne mit unseren Eltern etwas unter- nommen (Urlaub oder so). Ich will meinen Eltern keinen Vorwurf machen, aber sie hatten einfach keine Zeit mit uns Kindern etwas gemeinsam zu unternehmen.
Ganz besonders schlimm war es zu Weihnachten.
Welche Ausbildung haben Sie genossen?
Ich habe die Grundschule in St. Ulrich besucht und mich dann mit 14 Jahren in der Landeshotelfachschule Savoy in Meran eingeschrieben. Diese 5-jährige Ausbildung habe ich erfolgreich mit dem Titel Hotelkaufmann abgeschlos- sen. Von weiter studieren war damals nicht die Rede….
es war einfach nicht machbar.
Wie ist es zur Entscheidung gekommen, das Hotel zu übernehmen?
Die Entscheidung das Hotel zu übernehmen ergab sich ganz von alleine. Auch meine Schwester Ingrid hat im Ho- tel mitgeholfen. Sie hat aber mit 23 Jahren geheiratet und sich für einen anderen Beruf entschieden. Es war also kein Thema… ich sollte den Elternbetrieb übernehmen.
Mit welchen Hobbys gleichen Sie den Alltagsstress aus? Wir leben ja in einem wunderschönen Land. Es gibt zu jeder Jahreszeit unzählige Möglichkeiten sich zu entspan- nen und die Freizeit zu genießen. Im Sommer steht bei mir das Golfen ganz oben auf der Liste. Aber ich gehe auch oft und gerne mit meiner Frau wandern oder ganz einfach nur in den Wald um Pilze zu suchen. Im Winter habe ich seit ein paar Jahren ein neues Hobby entdeckt: das Langlaufen.
Ich bin fest davon überzeugt, dass man sich den Stress nur selber macht. Unser Beruf ist zwar oft hart und die Tage sind sehr lang. In den letzten Jahren ist es meiner Frau und mir gelungen sehr gute Mitarbeiter für das Hotel zu gewinnen. Denn nur mit einem guten „Team“ ist es mög- lich diesen Beruf mit Freude und ohne Stress auszuüben.
Welche sind die Sonnen- und Schattenseiten des Hotelierberufs?
Das Schöne an unserem Beruf ist der Umgang mit den Gästen. Sie sollen sich in unserem Hause einfach nur wohl fühlen. Für meine Frau und mich ist es die größte Genug- tuung, wenn Gäste zu Stammgästen und oft zu Freunde werden. Dies entschädigt uns allemal für die vielen Stun- den, die wir für unsere Gäste da sind.
Hinter jedem erfolgreichen Mann steht auch eine starke Frau. Wie unterstützt Ihre Frau Ihre Arbeit? Wie teilen Sie sich die Arbeit auf?
Ja das stimmt… meine Frau Brigitte ist das „Herz“ des Hauses. Sie kümmert sich eigentlich um alles. Sie ist über- all präsent und behält stets den Überblick. Sie organisiert die Einteilung der Mitarbeiter und hat immer neue Ideen.
Seit 2001 wurde im und am Hotel fast nach jeder Saison gebaut. Mit welchem Ziel?
Unser Ziel war es immer schon zufriedene Gäste zu haben. Mit dem Umbau, der sich über mehrere Jahre erstreckt hat wollten wir uns qualitativ verbessern und unseren Gästen jedes Jahr etwas Neues bieten.
Wie hat sich die Arbeit als Hotelier in den vergangenen Jahrzehnten verändert? Welche Veränderungen gab es im technologischen Bereich?
Es ist unglaublich, was sich in den letzten 15/20 Jahren alles verändert hat. Die technologische Entwicklung war gigantisch. Ich kann mich noch gut an meine ersten Jahre im Büro erinnern.
Schon das Telefonieren ins Ausland war ein Erlebnis. Der Zimmerplan wurde mit dem Bleistift geführt und die Korrespondenz mit der Schreibmaschine erledigt. Und dann kam das Internet… eine neue Ära hatte begonnen. Es ging ab diesem Moment alles viel schneller und Gäste aus aller Welt entdeckten das Grödner Tal.
Möchten Ihre beiden Kinder Andreas und David eines Tages auch in Ihre Fußstapfen treten?
Mein Bestreben war es, meinen zwei Söhnen freie Hand zu lassen. Sie sollen ihren Lebensweg alleine finden. Ich wollte sie nie drängen in meine Fußstapfen zu treten.
Andreas studiert in München und sein Weg als Bauingeni- eur ist wohl bestimmt.
David arbeitet seit einigen Monaten fleißig in unserem Betrieb mit und ich hoffe wirklich sehr, dass er eines Tages das Hotel übernehmen wird.
Welche Zukunft wünschen Sie sich für das Hotel La Perla?
Meine Frau Brigitte, David und ich wünschen uns, dass unsere Gäste sich auch in den nächsten Jahren in unserem Hause wohl fühlen. Wir werden auch in Zukunft unser Bestes geben.
Denn nur wenn unsere Gäste vollkommen zufrieden sind, hat sich unsere Arbeit gelohnt.